Praxis körperorientierte Psychotherapie, Qi Gong und Musiktherapie


Was versteht man unter einem Tinnitus?
Unter dem Überbegriff "Tinnitus"werden verschiedenste Ohrgeräusche, unabhängig von ihrer Ursache zusammengefasst. Studien zur Häufigkeit von Tinnitus haben ergeben, dass etwa 25% der deutschen Bevölkerung wenigstens einmal in ihrem Leben derartige Ohrgeräusche erleben. In der überwiegenden Mehrzahl verschwinden die Ohrgeräusche wieder, bei rund 17% dauern die Ohrgeräusche jedoch mehr als sechs Monate an, und bei etwa 7% kommt es zu weiteren Folgestörungen. In Deutschland gibt es zur Zeit mehr als 1 Million behandlungsbedürftige TinnituspatientInnen und jährlich kommen 250.000 - 300.000
weitere hinzu. Der Tinnitus ist eines der am häufigsten auftretenden Symptome
im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Bei etwa der Hälfte der chronischen Tinnitus-PatientInnen
kann von einem so genannten ´tonalen´ Tinnitus ausgegangen werden, d.h. die
Ohrgeräusche weisen eine bestimmbare Frequenz auf.

Entstehung, Charakteristika, zeitliche Verläufe, Schweregrade:


Die Entstehung des Tinnitus kann unterschiedliche Ursachen haben. In einigen Fällen handelt es sich bei Tinnitus um körpereigene, akustische Signale, die von einem Untersucher mit einem Stethoskop oder Mikrofon im Gehörgang des Patienten gehört werden können. Zumeist können hierfür organische Ursachen gefunden werden. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Fälle kann das Tinnitus-Geräusch jedoch nicht von außen gehört werden, sondern wird nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen. Als Ursache für diese Form des Tinnitus wird vorwiegend eine fehlerhafte Informationsverarbeitung des Hörsystems im Gehirn angenommen.

Die Nervenzellen im Hörkortex sind überaktiviert und erzeugen gemeinsam mit den umliegenden Hirnstrukturen den "Krach im Kopf". Für die erfolgreichen Therapieansätze gilt, dass das Gehirn plastisch und veränderbar ist. Der Lärm kann wieder verlernt werden.


Ein Tinnitus kann in beiden Ohren, aber auch überwiegend oder ausschließlich einseitig im Kopf oder an einer Stelle in der Nähe des Kopfes wahrgenommen werden. Die charakteristische Klangqualität der Ohrgeräusche kann sehr stark variieren. Betroffene beschreiben sie für gewöhnlich als Klingeln, Brummen, das Zirpen einer Grille, als Zischen, Pfeifen oder Summen. Die meisten Betroffenen geben an, ihr Tinnitus habe eine relativ hohe Frequenz und eine hohe Lautstärke. Es wird bei einem Tinnitus von einem typischen Frequenzbereich von über 3000 Hz ausgegangen.


Unterscheidung nach dem zeitlichen Verlauf: Bei einem akuten Tinnitus beträgt der Erkrankungs-Zeitraum weniger als drei Monate, bei einem sub-akuten Tinnitus zwischen 3-6 Monaten und bei einem chronischen Tinnitus mehr als 6-12 Monaten.

Ein chronischer Tinnitus gilt weitestgehend als unheilbar. Über eine Gewöhnung und Desensibilisierung kann jedoch eine deutliche Reduzierung der Symptome und manchmal sogar ein völliges Abklingen erreicht werden.


Bei chronischem Tinnitus können zusätzliche Beschwerden auftreten. Hierbei sind fünf Hauptbereiche zu nennen: emotionale Beschwerden, Schlafprobleme, Hörprobleme, Beeinträchtigungen von Arbeit und Freizeit, so wie weitere Einflüsse auf die allgemeine Gesundheit. Anhand eines speziellen Fragebogens kann der Tinnitus in vier verschiedene Schweregrade eingeteilt werden. Bei einem leicht- und mittelgradigem Tinnitus können die Betroffenen in ihrem täglichen Leben in einem geringeren bis mittleren Maß beeinträchtigt sein. Therapeutisch können hier Beratungen sowie Entspannungs- und Stressbewältigungsübungen angezeigt sein. Bei einer schweren und schwerstgradigen Ausprägung des Tinnitus können sich die Betroffenen nicht an ihre Ohrgeräusche gewöhnen, was zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen im Alltag und massiven zusätzlichen Beschwerden führen kann. Hier kann eine ambulante psychologische Therapie oder sogar eine komplexe stationäre Therapie angezeigt sein.